Wasserpfeife - Kulturimport aus dem Orient

Schischa rauchen ist etwas für Genießer. In Teestuben und Kaffeehäusern, in Palästen und Tempeln genauso wie in Einfamilienhäusern und Mietswohnungen. Längst greifen nicht mehr nur die arabischen und türkischen Raucher zur blubbernden Wasserpfeife, sondern auch deutsche Genussraucher aller Altersstufen. Inzwischen gibt es unzählige Schischa-Cafes und Bars, in denen man in gemütlicher Runde dem orientalischen Genuss frönen kann.

Ein Unterschied zur traditionell arabischen Variante des Schischarauchens besteht allerdings: Dort ist der Besuch eines Wasserpfeifenlokals zwar ein selbstverständlicher Bestandteil des Kulturlebens - das allerdings nur für Männer, die dabei auch noch auf drei ganz entscheidende Dinge verzichten müssen, die dem Schischagenießer hierzulande wohl unabkömmlich sein dürften: Alkohol, ein schickes Ambiente – und auf weibliche Gesellschaft; das wäre den deutschen Wasserpfeifenfans dann wohl doch zu authentisch.

Viele legen sich auch gleich eine eigene Wasserpfeife zu, um zuhause im Kreis von Freunden einen gemütlichen Abend mit den verschiedenen fruchtigen Tabaksorten, die momentan im Handel sind. Auch wenn sich da die Geister erneut scheiden – traditionell wurde eher neutraler Tabak geraucht, den man teilweise direkt mit einer brennenden Kohle bedeckte und rauchte. Den modernen Schischarauchern war das auf Dauer wohl zu stark, deswegen wurde die klassische Wasserpfeife um ein Sieb (beziehungsweise Alufolie) erweitert.

Die Ursprünge der orientalischen Wasserpfeife liegen in den nordwestlichen indischen Provinzen, entlang der pakistanischen Grenze in Rajasthan und Gujarat; das ist beinahe ein Jahrhundert her. Diese Orient Shishas oder auch Narghiles waren sehr einfach und robust aufgebaut, sie waren in der Regel aus einer Kokosnussschale als Basis und einem Strohhalm mit Kopf zusammengesetzt. Man rauchte damit Opium und Haschisch. Langsam verbreitete sich die Wasserpfeife bis nach Persien, welches damals Pakistan, Afghanistan und Zentralasien sowie die arabischen Teile Nordafrikas umspannte. Auf diesem Weg entstand die Kombination von Schischa und Tombeik. Tombeik ist ein dunkler, starker Tabak, der heute noch im Iran angebaut wird. Er wird befeuchtet und in einen großen, beinahe altertümlich anmutenden Shishakopf gegeben, dann wird die Kohle direkt auf den noch nassen Tabak gelegt, was einen sehr starken, kräftigen Geschmack gibt.

Diese Art Schischa nannte man Ghelune, sie wird auch heute noch in Handarbeit hergestellt; jede einzelne Sisha wird im Ganzen aus einem Stück Holz geschnitten. heute verbotene und aus der Mode gekommene - Genuß von Opium. Im persischen Reich, in das die Schischa bald weiterwanderte, wurde der persische Tabak beigemischt oder ersetzte komplett die vorherigen Substanzen. Dieser Tabak war und ist extrem stark und wurde mehrmals mit Wasser getränkt, um ihn genießbar zu machen. Außerdem wurden dem Tabak erstmals Fruchtgeschmäcker beigemischt, indem man Sauerkirschen, Weintrauben, und Rosenblätter hinzufügte, während das Glas der Wasserpfeife mit eiskaltem Wasser gefüllt wurde.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Schischa im Osmanischen Reich sehr populär. Sie wurde sehr wichtig für die dort sehr gepflegte Kaffeehauskultur, den Höhepunkt ihrer Popularität erreichte sie unter Murat dem IV, von 1623-40. Es wurden Regeln und Verhaltenscodes für den richtigen Gebrauch der Wasserpfeife geprägt, die zum Teil bis heute Bestand haben - dieses eine Beispiel ist zum Glück inzwischen überholt: Wenn jemand in einem Kaffeehaus seine Kohle falsch anzündete, beispielsweise mit einer Kerze, konnte er aus dem Kaffeehaus geworfen werden oder sogar aus der Gesellschaft verstoßen werden.

Schließlich wurde die Schischa zu einem elitären Statussymbol, wie es mit allen Gebrauchsgegenständen ist, die ihre eigentliche Funktion schon übertroffen haben. Das Design der klassischen Schischa fand während des 17. Jahrhunderts seine Vollendung. Jedes Modell, das man heute erwerben kann, ähnelt im Prinzip dieser Generation von Wasserpfeifen.

Man muß fein unterscheiden zwischen Wasserpfeife und Bong. In der Bong wird meistens normaler Tabak geraucht, in der Wasserpfeife hingegen klebriger Schischa Tabak.